Warum Schlager?

Nein, du hast dich nicht verlesen. Und nein, es ist weder Fasching noch ein besonders mutiger Aprilscherz.

Wir singen: Schlager, deutsch-sprachige noch dazu.

Dieses Wort hat in Chorkreisen ungefähr denselben Effekt hat wie „Fertigpizza“ im Sterne-Restaurant. Man weiß, so was gibt es – aber man hofft, nicht persönlich damit konfrontiert zu werden.

Im echten Leben sind wir sind ein Chor, der Werke liebt, in denen Dissonanzen gepflegt und Auflösungen sorgfältig hinausgezögert werden. Diesmal singen wir Lieder, bei denen die größte Überraschung oft darin besteht, dass der Refrain … wiederholt wird.

Warum tun wir uns und euch als Publikum das an?

Nun, es begann ganz harmlos. Jemand sagte: „Das wäre doch mal was anderes.“
Und wie das so ist mit solchen Sätzen – sie klingen zunächst unverbindlich, fast harmlos. Bis man plötzlich mitten in der Probe sitzt und sich fragt, warum man mit großer Ernsthaftigkeit an der korrekten Artikulation von „Brennend heißer Wüstensand“ arbeitet.

Und dann passierte etwas Merkwürdiges: Man merkt, dass diese Musik auch mal ganz schön sperrig sein kann.

Denn der Schlager ist tückisch. Er tut so, als wäre alles ganz leicht. Ein bisschen Melodie, ein bisschen Text, ein bisschen Gefühl – fertig. Aber sobald man versucht, ihn wirklich gut zu singen, merkt man: Hier gibt es nirgendwo ein Versteck.

Keine kunstvoll verschachtelten Harmonien, hinter denen man sich elegant verbergen könnte. Kein „Das klingt absichtlich so“. Wenn ein Einsatz nicht stimmt, dann stimmt er nicht. Wenn der Klang nicht trägt, dann trägt er nicht. Und wenn der Ausdruck nicht ehrlich ist, dann wird es … (Ausdruck zensiert).

Mit anderen Worten: Schlager ist musikalisch gesehen ungefähr so gnädig wie ein Spiegel im grellen Neonlicht.

Und genau das hat uns gereizt.

Plötzlich ging es nicht mehr darum, besonders komplex zu sein, sondern besonders klar. Hier alles richtig zu machen, war erstaunlich anspruchsvoll.

Und so standen wir vor der Frage: Trauen wir uns das? Trauen wir uns, diese Musik ernst zu nehmen und selbst locker zu bleiben?

Die Antwort findet sich auf diesem Plakat: Wir versuchen es.

Und wenn du am Ende des Konzertes – wir rechnen fest mit dir – denkst: „So simpel war das gar nicht“ , dann haben diese alten Schlager vielleicht genau das getan, was gute Musik immer tut: Sie hat uns erfüllt, sieSpaß gemacht und nicht nur uns ein kleines bisschen überrascht.

Wir sehen uns am 25. Juli in der Georg-Hänfling-Halle.